Lebensgeschichtliche Erinnerungen: Adventkranzweihe in Traunkirchen

Heidi Maria Stadler lädt in ihrer Erinnerungswerkstatt
zum mitschreiben ein.

Tauet Himmel …

Der Schnee glitzerte und funkelte unter den letzten Strahlen der Abendsonne. Der Himmel zeigte sich von der schönsten Seite, so als hätte ihn Michelangelo in einer besonders gesegneten Stunde gemalt. Mein kindliches Herz klopfte heftig vor Freude und Aufregung.  Heute, ja, heute war wieder dieser Tag, dieser für mich so einzigartige Tag auf den ich mich jedes Jahr gleichermaßen freute. Meine Mutter brachte mir mein bestes Wintergewand und sie machte mir eine ganz feine Frisur, denn schließlich wollte ich schön sein. Viel schöner als sonst, denn heute durfte ich mit meiner Tante in die Kirche gehen.

Ja gut, in die Kirche ging ich oft, mit Oma oder mit Opa, aber, nur einmal im Jahr mit meiner Tante und nicht nur das, sondern sie war meine Lieblingstante.

Sie holte mich ab, denn heute war Adventkranzweihe in unserer kleinen Kirche in Buchberg und ich durfte mitgehen. Ich ganz alleine, meine Geschwister mussten daheim bleiben, die waren noch zu klein um mitzugehen. Denn schließlich hatten wir einen Fußmarsch von einer Stunde vor uns.

Ich war so unendlich glücklich, ich stapfte Hand in Hand mit meiner Tante durch den, von mir auch so sehr geliebten Schnee. Ich durfte noch dazu die Laterne tragen. Es war wie in einem zauberhaften Wintermärchen. Ein weiterer besonderer Höhepunkt, war für mich, das Betreten der Kirche. Der Duft des Weihrauch, die vielen freundlichen Menschen und, die strahlenden Kerzen, die mir immer wieder mit ihren flackernden Flammen freundlich zunickten. So, als würden sie sagen: *Schön, dass ihr da seid!*

Jedoch der absolut schönste und glücklichste Moment war für mich immer, wenn der Pfarrer mit seinen Ministranten beim Altar vorne Platz genommen hatte, die Orgel erklang, die Kirchenbesucher sich aus den Bänken erhebten, und alle gemeinsam das Lied *Tauet Himmel* sangen.

Ich glaube, das glücklichste Mädchen der Welt gewesen zu sein, wenn wir uns anschließend auf den Heimweg machten. Denn es gab daheim dann noch ein großes Erlebnis mit viel Freude für mich. Nämlich, die ganze Familie erwartete uns und – es gab Tee und Kekse.

Die ganze Familie war versammelt, wir lachten, plauderten und feierten dann noch viele Stunden.
***
Segensgrüße in den nun vor uns liegenden Advent!

Nationaler-Erzähl-eine-Geschichte-Tag


Dieser Tag ist wie geschaffen für Heidi Maria Stadlers
Erinnerungswerstatt.
Vielleicht hast auch du Freude daran mitzumachen.
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In diesem Sinne, erzähl eine Geschichte.
Oder noch besser – schreib sie auf.
Herzliche Grüße und Segen!
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Hier eine kleine Erzählung.
Sie ist vom 27.10.1982.
Am Tag genau, vor neununddreißig Jahren.

Alles ist gut weil es ist!

Regen, Nebel, tristes Herbstwetter, ich war nicht so glücklich, wie ich hätte sein können. Mein Glück war schwer getrübt. Dieser Umstand hatte jedoch nichts mit dem Wetter zu tun. Jedoch mit den Familienumständen.
Sowohl in der Familie meines zukünftigen Mannes, als auch in meiner Herkunftsfamilie. Sie waren nicht nur, nicht perfekt, sondern höchst unerfreulich. An diesem Tag haben wir geheiratet. Wir wussten, auch wenn wir die Heirat verschoben hätten, hätte das nichts gebracht. Denn es dauerte Jahre, bis sich in meiner Familie alles normalisierte, und mein Ehemann als der geliebte Schwiegersohn / Schwager anerkannt wurde. Im Gegenteil zu seiner Herkunftsfamilie. In dieser hatte es sich in all den fünfundzwanzig Jahren unserer Ehe nie zum Guten gewendet. Sie konnten mich einfach nicht leiden. Und das bis zum heutigen Tag.
Rückblickend betrachtet, erkannte ich, dass diese Umstände, all die Jahre unser Eheleben sehr belastet hatten. Egal war war, oder auch nicht war. Die Schulidge,
war in jedem Fall ich. Das sah auch, und das war die Tragik auch mein Mann so.
Jedoch darf ich behaupten, dass diese vielen Jahren unserer Ehe für mich die größte Meisterschaft meines Lebens darstellt. Ich durfte lernen, erkennen und mich entwickeln. Das jedoch hatte ich in den schmerzerfüllten, tränenreichen Jahren nicht sehen, geschweige denn, so wahrnehmen können. Der Schmerz darüber, dass es so war, wie es war, begleitete mich Tag und Nacht. Tagein und Tagaus. Jahrein und Jahraus. Dennoch hatte ich die Hoffnung, dass es einmal anders werden könnte nie aufgegeben. Bis zu dem Zeitpunkt, andem mir meine ehemaliger Ehemann eröffnete, dass er eine Frau kennen gelert hat, mit der er den Rest seines Lebens verbringen wolle. Mein ohnehin schon sehr brüchig gewordenes Lebenshaus ist damals im September 2006 endgültig eingestürzt. Was mir blieb, sind Lebenserfahrungen die mich zu der Frau gemacht haben, die ich heute bin. Darauf bin ich stolz.
Jedoch der allergrößte Schatz, ein Gottesgeschenk, ein Geschenk des Himmels ist meine geliebte Lieblingtochter. Dafür danke ich, so sehr wie eine Mutter nur danken kann.
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Herzensgrüße mit inniger Dankbarkeit!
Segen, Segen, Segen!

Lebensgeschichtliche Erinnerungen

Heidi Maria Stadler lädt in ihrer Erinnerungswerkstatt
zum mitschreiben ein.

Wetter schauen

„Ich schaue noch wie das Wetter wird“, sagte Opa jeden Abend bevor er schlafen ging.  Wenn ich sagte, „Opa ich gehe mit dir“, hat er es mir verboten. „Nein, nein, das ist nichts für dich Moni, du bleibst schön in der Stube!“  Danach verließ er die Wohnstube und machte sich auf den Weg in den Hof. Dass dies mein Interesse nicht abschwächte, sondern meine Neugierde noch anfeuerte, war klar.

Ich war als Kind sehr wissbegierig. Es gab kaum etwas das mich nicht interessierte. Vieles, das meine Großeltern taten, erweckte eine heftige Neugierde in mir. Denn, ich spürte, dass sie so manches Geheimnis hatten, von dem ich nur zu gerne wissen wollte.  Mein Kleinmädchenherz  nahm  Geheimnisvolles, Zauberhaftes, Unausgesprochenes wahr.

An einem Sommerabend, gingen meine Eltern und meine Oma aus. Opa und ich waren alleine daheim.  Genau an diesem Abend, sah ich meine Gelegenheit gekommen.
„Ich schaue noch wie das Wetter wird!“  „Ja Opa, gehe nur, ich warte hier auf dich!“
Antwortete ich, längst wissend, dass ich ihn heute (ver)folgen würde.
Opa schlüpfte in seine Trittling. (Schlapfen)  Ich hingegen zog meine Hausschuhe aus, um Opa, leise, auf Zehenspitzen zu folgen. Wie ein Einbrecher schlich ich hinterher. Hinter der breiten, hölzernen Futterbodenstiege fand ich ein passendes Versteck von dem ich gut beobachten,
aber auch Opa in meiner geheimen Mission folgen konnte.

Opa ging in den Stall. Dort waren zwei Kühe, Hühner und Enten untergebracht. Als mein Großpapa wieder heraus kam, hielt er eine Flasche in der Hand.  Durch das schwere hölzerne verließ er das Haus. Ging über den Hof, vorbei an der Stelle an der die Hühner und Enten ihren Futterplatz hatten. hinaus auf die Wiese, hin zum Kranawitt-Birnbaum. Ein Baum der in unserer Familie einen ganz besonderen Stellenwert hatte. Wenn wir Kinder beim Spielen diesem Birnbaum zu nahe kamen, gab es von Großmutter eine nicht zu kleine Rüge.

Dort stellte er sich neben den Kranawittbirnbaum, der auch ihm heilig war, und begann zu beten. Als Opa mit dem Gebet fertig war, öffnete er die Flasche gab etwas von dieser geheimnisvollen Flüssigkeit auf seine Hand und spritze sie in alle vier Himmelsrichtungen.
Dabei murmelte er für mich Unverständliches Zeug. Dann ging er in den Stall, betete wieder machte jeder Kuh mit der Flüssigkeit ein Kreuzchen auf die Stirn und murmelte wiederum.
Als Opa sich anschickte den Stall zu verlassen, flitzte ich in die Wohnstube und setzte mich zum Tisch. Genau so, wie ich vor dieser Aktion gesessen hatte.

Zurück in der Stube, sagte Opa kein einziges Wort, das hätte vermuten lassen, dass er etwas bemerkt hätte.  Mein Herz schlug bis zum Hals. Mein Gott, ich platzte fast vor Aufregung,
und vor schlechtem Gewissen. Also hatte Opa doch nichts mitgekriegt.
Welch ein Stein fiel mir vom Herzen.

Es dauerte noch einige Zeit, bis ich erfuhr, welche Bedeutung die Handlungen meines Großvaters hatten. Als mich wieder einmal meine Neugierde sehr plagte, frage ich Oma danach. Nach dem ich doch inständig gebettelt hatte, erzählte sie mir.

„Gut, aber erzähle es niemanden und ich glaube, dass du das auch noch nicht verstehen kannst. Opa und auch ich, wir beten und segnen mit dem Weihwasser. Wir segnen, das Haus, die Menschen, die Tiere, Pflanzen, das Land. Wir beten, dass Unheil von uns fern bleibt.“

Vielleicht habe ich es damals wirklich nicht verstanden, aber ich habe alles in mein Herz gelegt. Seit vielen Jahren, mache ich es selber. Mit dem Unterschied, dass ich kein Geheimnis daraus mache, sondern – im Gegenteil, die Menschen dazu motiviere es auch zu tun.
Danke Oma, danke Opa!
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Ja, ich durfte vieles von ihnen lernen.
Dafür bin ich sehr, sehr dankbar!
Liebe Gutenachtgrüße!

Lebensgeschichtliche Erinnerungen

Heidi Maria Stadler lädt in ihrer Erinnerungswerkstatt
zum mitschreiben ein.

Frisches Brunnenwasser hält gesund

Im Haus meiner Großeltern, indem ich bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr lebte, waren keine Wasserleitungen und schon gar keine sanitären Anlagen eingebaut.Wenn wir die Morgentoilette machten, mussten wir vor das Haus zum Brunnen gehen.
Mit eiskaltem Wasser, Zähne putzen, ebenso die Körperhygiene vornehmen.
So ging das vonstatten. Mit Ausnahme nur dann, wenn Schnee lag, oder wenn man krank war. In diesen Fällen, wurde die Waschschüssel gereicht.
Es war hin und wieder schwer auszuhalten, mit dem eiskalten Brunnenwasser die Morgen- und auch Abendtoilette zu verrichten. Doch alle in der Familie taten es.  So war es auch klar, dass für uns Kinder genau dieselben Voraussetzungen galten.

Samstags war „Badetag“.  Dazu brachte Oma, den Waschtisch  in die Wohnstube. Zu Recht war Oma auf diesen sehr stolz. Er bestand aus weiß lackiertem Schmiedeeisen. Er hatte reichlich Verzierungen, Rundungen und Schnörkel, welche an Blätter eines Baumes erinnerten.  Die Seifenablage, der Handtuchhalter, als auch die Ablage für den Waschhandschuh waren ebenso kunstvoll gestaltet.
Die Waschschüssel,  die in einer dafür vorgesehenen Vertiefung ruhte, war aus weißem Email. Der obere und untere Rand war mit dunkelblauen Linien, abwechselnd mit kleinen blauen Blüten verziert.

Der Ofen war eingeheizt. Das Badewasser kam aus dem Zusatzherd. Aus dem sogenannten „Wandl“. Das war ein Wasserbehälter der direkt in den Tischherd integriert war. Ganz automatisch wurde beim Beheizen des Herdes, das drin enthaltene Wasser heiß. Dieses Wasserbehältnis musste jederzeit mit Wasser gefüllt sein. Ansonsten wäre er auf Grund der entstehenden Hitze kaputt gegangen.

Als von Oma und Mama alles vorbereitet war, kamen wir Kinder der Reihe nach dran. Diese Badetage waren für uns Kinder jedes Mal mit einer gewissen Aufregung verbunden. In der kalten Jahreszeit, ging es punktgenau um siebzehn Uhr los. In der warmen, war die Zeit während des Schuljahres  um achtzehn Uhr,  in den Ferien hingegen sehr variabel.
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Mit nostalgischen Grüßen!
Habt es gut ihr Gesgneten!

Lebensgeschichtliche Erinnerungen: Feste feiern

Inspiriert wurde ich zu diesem Beitrag durch die
Erinnerungswerkstatt von Heidi Maria Stadler

Ja! Feste feiern, das ist es. Ich liebe es und ich liebte es schon immer. Als Kind war ich total begeistern von jedem Familienfest. Bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr, lebte ich mit meinen Eltern und Geschwistern im Elternhaus von Mama. Also bei den Großeltern mütterlicherseits.  In diesem Hause lebte auch eine Schwester von Mama. Die damals noch ledig war und noch im Elternhaus ihr daheim hatte.
Bei meinen Großeltern kamen sonntags alle zusammen. Wer waren alle? Alle  waren. Die fünf Kinder meiner Großeltern mit ihren Partnern und Partnerinnen und alle Enkelkinder. Oh ja, da kamen schon etliche Menschen zusammen. Das war herrlich.
Oma und Mama haben aufgekocht. Gesessen sind wir unter dem großen, alten Kastanienbaum, dort hatte mein Vater eben für diese Anlässe einen Tisch und Bänke aus Baumstämmen angefertigt. Wir hatten alle im Schatten des Baumes Platz gefunden. In der kalten Jahreszeit, kamen wir in der Stube zusammen. Rund um den großen Esstisch in der Ecke des Herrgottswinkels der zu jeder Zeit festlich geschmückt war. Wenn auch nur mit Blumen aus Plastik. Dennoch oder gerade deswegen war es einzigartig. Es gab natürlich auch diese ganz besonderen Treffen, die eben an festlichen Feiertagen statt fanden. Diese habe ich bis heute mit ihrem Charme und flair in meinem Herzen. Ebenso mit der Gemeinsamkeit, Feierlichkeit und herzlichen Verbunsenheit in geselliger Gemütlichkeit.
Außerdem war es so, dass meine Oma häufig Besuch bekam. In dem verschlafenen, zauberhaften Dorf im Mühlbachtal in dem wir lebten, und meine Familie teilweise heute noch lebt, war es Sitte, dass die Kontakte zu den Nachbarn gut gepflegt wurden. Da kam schon mal die eine oder andere Nachbarin zu einem Plausch mit Oma vorbei. Schnell gesellten sich meine Mama, meine Geschwister und ich dazu. Das ganze spielte sich in der warmen Jahreszeit auf der Hausbank oder auf der „Scheiterhüttenbank“ ab. Die Männer, also Opa und Papa waren zu dieser Zeit meist in der Arbeit. Ich habe diese Zusammenkünfte so sehr genossen, nein ich habe sie geliebt. So sehr, dass ich sie bis heute vermisse.
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So ihr Lieben, für heute ist aber jetzt wirklich Schluss.
Meine Hausaufgaben für meine Weiterbildung,
warten schon ungeduldig auf mich.
Schlaft gut!